Irgendwie übt diese Vogalonga im altehrwürdigen Venedig schon eine besondere Faszination aus,
denn auch im Jahr 2012 hat sich ein kleineres Häuflein unverdrossener RGM´ler und SRM´ler über
den Brenner Richtung Süden begeben, um die Lagune von Venedig zu durchrudern.

Die Anlaufschwierigkeiten mit der Logistik konnten wir Dank Thomas Schulz von der SRM schnell und unbürokratisch überwinden. Danke hier ganz besonders an die spontane Hilfsbereitschaft von Thomas Schulz, der nach dem gesundheitlichen Ausfall von Klaus Schwarz den Transport der Boote übernommen hat. Der Hänger war auch bei dem kleineren Aufgebot aus München mit vier Gig-Vierern und Zubehör beladen. Aber immerhin war die RGM/SRM-Abordnung die diesjährige einzige Münchner Gruppe und die Farben Schwarz-Gelb sind auch dieses Jahr wieder gut vertreten worden.

Für alle war Venedig dieses Jahr ein echtes Highlight. Eine Rekord-Vogalonga, denn nach den Angaben der Veranstalter waren bei der 38. Lagunenumrundung 1800 Boote mit insgesamt 7720 Teilnehmern angemeldet. Obwohl Anmeldungen sogar noch am Samstagnachmittag möglich sind und in den Vorjahren auch noch angenommen worden sind, mussten die Veranstalter bereits am Samstagvormittag noch Anmeldewillige abweisen. Mit so einem Andrang haben auch die erfahrenen Ausrichter nicht gerechnet und wir durften Teil dieses Ereignisses sein.

Am traditionellen Regattatag -dem Pfingstsonntag - ging es dann, nach den notwendigen Vorbereitungen am Samstag, wie Abladen, Aufriggern, Boot für die Fahrt vorbereiten, mit Spritzschutz versehen und einen guten An- und Ablegeplatz suchen, morgens um halb acht am Tronchetto los. So gut dieser Bootsplatz eigentlich liegt, leider können sich weder die Stadt Venedig noch Veranstalter durchringen, die Bootstransporte von der durchaus beachtenswerten Parkgebühr von rund 50,00 € pro Tag freizustellen, so dass Herr Schulz am Samstag nach dem Abladen den Hänger wieder nach Mestre gefahren und erst am Sonntag nach dem Anlegen wieder nach Venedig geholt hat. Eigentlich ist das ein unnötiger Mehraufwand, der mit einer freundlicheren Parkgebühr nicht zwingend wäre.

Wir (Udo Schilling, Eugen Künzi, Peter "Knubbl" Drews und Christian Kössl, Stm. Claudio Cornoldi) sind zum Aufwachen unsere klassische Route vom Tronchetto zum Startbereich gefahren. Immer wieder - mittlerweile sind wir fünf alles erfahrene Vogatori - beeindruckt es, wenn man in den Canal Grande einbiegt und sich zusammen mit vielen anderen Begeisterten zum Markusplatz bewegt, dort dann in den Canal di Giudecca in den Startbereich kommt und gemeinsam auf das Startsignal wartet, während sich ein fast unaufhörlicher Strom an weiteren Teilnehmern einreiht.


Die Witterungsbedingungen waren geradezu traumhaft, kaum Wind und Wellen, eine leichte Wolkendecke und überaus angenehme Temperaturen, die das Rudern sehr erleichterten. Lediglich an den den erfahrenen Vogalongaruderern schon bekannten Abschnitten war es etwas wellig, so ca. 2 km nach dem Start bei der ersten großen Kurve Richtung der Inseln San Erasmo und Vignole und dann nach der Ausfahrt nach Murano bis zur Rückkehr in den Canal di Cannaregio. Wir haben vom Start weg versucht, uns vor das große Feld zu legen und siehe da, es ist uns gelungen. Lange ruhige Schläge, ein Rhythmus, der sich bei einer Schlagfrequenz von 25 Schlägen eingependelt hat und dann konnten wir das Boot schön durchschieben. Dank unseres Steuermannes Claudio, er kennt die Lagune wie seine Westentasche, war unsere Bahn soweit es der niedrige Wasserstand zugelassen hat, immer mit dem notwenigen Wasser unter dem Kiel versehen. Nur vor der Wende in Burano ist uns ein anderes Boot, dessen Steuermann den Weg wohl nicht ausreichend verinnerlicht hatte, unangenehm nahe gekommen, was Claudio aber souverän gemeistert hat.

Durch den großen Vorsprung vor dem Feld, wir waren nach ziemlich genau 2 Stunden im Ziel, war es ein reiner Rudergenuß die Fahrt vorbei an den Zuschauern im Canal di Cannaregio und dann durch den sonst von hektischem Treiben aufgewühlten Canal Grande unter die Blätter zu nehmen. Die Mühe bis zur Einfahrt in den Cannaregio hat sich in dem Augenblick gelohnt, wenn die ersten „Bravi“-Rufe erschallen, Claudio die Huldigungen des Publikums für uns alle entgegennimmt und einen dann beim Einbiegen in den Canal Grande eine fast feierliche Ruhe umfängt. Keine noch so exklusive Gondelfahrt kann das geben, was wir Ruderer in solchen Momenten erleben dürfen. In diesen Momenten gehört der Canal Grande und alles was an seinen Ufern steht nur uns! Vor uns war nur ein Kajakvierer, aber völlig außer Sichtweite, wir Fünf sind in diesem Augenblick die Herren über den Canal Grande. Wir konnten in diesen Emotionen geradezu schwelgen.

Unter optimalen Bedingungen konnten sich auch die Schüler der SRM einen Eindruck machen, wie Italiener sich eine Regatta vorstellen. Über Pfingsten haben 14 Schüler der SRM an der Vogalonga teilgenommen. Ein unerwartet großes Teilnehmerfeld startete auf der Freifläche vor dem Markusplatz und sauste dann gleichzeitig los. Oft ist es sehr eng geworden, doch Bootschäden sind nicht entstanden, aber der Blutdruck war bei allen Beteiligten meist sehr hoch. Manchmal mussten die Mannschaften mit brachialer Kraft das Boot voran schieben, um Sekunden später abrupt abzubremsen – sehr ungewöhnlich für eine Regatta – wo es doch darum geht besonders schnell die 36 km zurückzulegen.

Doch am Ende schweißgebadet durch den Canal Grande zu rudern und von tausenden Touristen und Einheimischen angefeuert zu werden sind, Gänsehaut-Erlebnisse, die Paul Riedel, Sebastian Sander, Daniel Nürrenbach, Benedikt Heizenreder, Daniel Scholz, Paul Räpple, Simon Wittmann, Michael Betz, Christoph Maly, Christoph Patzelt, Sebastian Prinz, Florian Zeeb, Isabella Apfel und Henriette Strattner niemals vergessen werden.

Es hat sehr viel Freude bereitet, auch dieses Jahr mit lieben Freunden dieses Ereignis zu feiern und diese Tage zusammen verbringen zu dürfen. Unser Fazit ist: Es ist eine wundervolle Veranstaltung und wir kommen sicher wieder! Die nächste Vogalonga startet am 19. Mai 2013.

Christian Kössl / Thomas Schulz