Vogalonga 2025
Persönlicher Bericht von RGM Mitglied Aron Winter:
30 Kilometer nur in muskelbetriebenen Booten quer durch Venedig und Umgebung – ein Event, das inzwischen zum 49. Mal stattfindet und über 7000 Menschen mit rund 2000 Booten aus der ganzen Welt anzieht.
Als ich an einem Rudertag im Boot von der Vogalonga erzählte, war eigentlich keine weitere Überredung mehr notwendig. Die Organisation der Fahrt war unter anderem auch in der Corona-Zeit etwas eingeschlafen. Also beschlossen Konstantin Eckerl und ich (Aron Winter) kurzerhand: „Dann machen wir’s eben selbst!“. Keine Ahnung, wie das Ganze funktioniert, aber die Motivation war da. Vielleicht war es sogar die Unwissenheit, die uns dazu brachte.
Fotos: Privat
Italien ist nicht gerade für frühe und durchdachte Organisation bekannt – das bekamen wir während der Planung mehrfach zu spüren. Ein großer Punkt war das Parken der Boote. Unsere RGM war mit insgesamt 15 Leuten vertreten, verteilt auf drei Boote: Manni, Günter Thiel und Johanna. Wir wollten vermeiden, die zusätzlichen Kilometer vom Festland nach Venedig rudern zu müssen. Letztendlich entschieden wir uns aber dennoch für die sichere Variante: Das Auto mit den Booten blieb in Mestre, und am Samstag überführten wir sie zu einem offiziell ausgeschriebenen Ort. Dieser war allerdings schwer zugänglich – wir mussten die Boote eine steile Treppe hinaufhieven, was einiges an Zeit und Kräften kostete. Am nächsten Morgen dauerte es ähnlich lange, sie wieder ins Wasser zu bekommen.
Endlich auf dem Wasser, ruderten wir entspannt durch den Canal Grande zum Start. Es fühlte sich an wie die Ruhe vor dem Sturm. Wir waren recht spät dran, weshalb auf dem Wasser noch nicht viel los war. Schon da wirkte es surreal, in einer der bekanntesten Städte der Welt mit unseren kleinen, etwas in die Jahre gekommenen Booten vorbeizuziehen – an der Rialto-Brücke, der Basilica Santa Maria und schließlich dem Markusplatz, wo dann der eigentliche Start war.
Als wir ankamen, hat die Vogalonga bereits begonnen, und plötzlich waren wir mitten in einem Meer aus Booten, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Zu Beginn war es so eng, dass wir oft nur ein paar Schläge machen konnten, bevor wir wieder stoppen mussten. In den schmalen Passagen setzte sich das fort, doch zwischendurch gab es genug Abschnitte, in denen wir richtig Fahrt aufnehmen konnten. Trotzdem waren wir irgendwann über jede Pause froh – jede Gelegenheit, sich kurz abzustützen und dem müden Sitzfleisch eine kurze Auszeit zu gönnen.
Fotos: Privat
Eine besonders anstrengende Etappe war der Abschnitt von Burano nach Murano. Dort ruderten wir über die offene Lagune, sahen sogar ein, zwei Boote kentern – die Wasserwacht war jedoch sofort zur Stelle. Die Bedingungen waren zwar ganz anders als auf unserer heimischen Regattastrecke, aber dank der guten Vorbereitung an den Booten war alles machbar.
Zurück in Venedig, stauten sich die Boote vom Kanal bis hinaus in die Lagune. Der Wind drückte uns tiefer in die Stadt, und an der Ponte dei Tre Archi standen wir buchstäblich Boot an Boot. Zum Glück halfen freundliche Taucher, die Boote durch die Engstelle zu manövrieren – danach fühlte sich die erneute Fahrt durch den Canal Grande fast wie eine Erholung an.
Nachdem wir unsere Medaillen abgeholt hatten, blieb nur noch, die Boote zurück nach Mestre zu bringen – das erneute Anlegen in Venedig wollten wir uns ersparen.
Die Heimfahrt am nächsten Tag verlief ohne Zwischenfälle, auch wenn das Abbauen am Abend beim nächsten Mal vielleicht besser organisiert sein könnte. Trotzdem kann ich die Vogalonga jedem nur wärmstens empfehlen: Die Möglichkeit, diese historische Stadt aus eigener Kraft vom Wasser aus zu erleben, ergibt sich wohl in keiner anderen Gelegenheit.
In diesem Sinne – eine wirklich einzigartige Wanderfahrt und für jede Ruderin und jeden Ruderer ein Muss. Und zum Schluss noch eines Gesagt: Denkt an ein Sitzkissen. Vielleicht sogar zwei. Ihr werdet es mir danken.
Fotos: Privat

























